Daishin Zen Schule
Martin Jger, neuer Meditationslehrer des Daishin Zen

Nachklang vom Dezember-Rohatsu 2014 - und ein neuer Meditationslehrer des Daishin Zen

Es gibt verschiedene Arten von Stille. Es gibt die peinliche Stille, wenn keiner etwas sagt und alle betreten zu Boden schauen. Es gibt die zum Zerreien gespannte Stille vor einem sich ankndigenden Sturm, die schmerzvolle, nach innen gekehrte, die eisige Stille, die frsteln lsst und die heimelige, harmonische Stille, die durch stummes Einverstndnis entsteht. Und es gibt die groe Stille beim Rohatsu, in der alle Arten von Stille enthalten sind und die weit darber hinausgeht.

Einen besonderen und unerwarteten Moment werden wir nicht vergessen. In der vierten Nacht dieses Dezemberrohatsu saen wir morgens um zwei gemeinsam mit dem Zenmeister in der Lobby, tranken Tee, schweigend, jeden Schluck auf der Zunge und im Gaumen auskostend. Fr einen kstlichen Moment hllte uns die Stille ein wie eine warme Decke, die tiefe Geborgenheit schenkt und das Gefhl, endlich zu Hause zu sein. Mitten im tiefen Tal von Mdigkeit und Verzweiflung ber nicht enden wollende Runden Zazen.

Es war einer der Momente, in denen deutlich wurde, worin die besondere Kraft dieses Klosters im Allgu liegt. Denn wo sonst gibt es das schon: Einen Zenmeister, der auf dem Weg zur Bergspitze mitten in der Nacht mit seinen Schlern Tee trinkt? Der einfach da sitzt auf dem Sofa und mit seiner stillen Prsenz signalisiert: Ich bin bei Euch. Ich lasse Euch nicht alleine. Der seine Freude zeigt und seine Hingabe. Danach ging es zurck in die Zendo mit beschwingtem Gang trotz lahmer Beine und schmerzender Knie. Und pltzlich wurde aus Mdigkeit Kraft, bei manchen fiel der Schmerz vom Krper ab wie eine alte Haut, bei anderen wuchs die Entschlossenheit, dem Widersacher zu trotzen und standzuhalten, um Freiheit zu finden im Morgengrauen.

Martin Jger, neuer Meditationslehrer des Daishin Zen Der zweite besondere Moment war, als alle Regeln aufgehoben wurden und in der Zendo lauter Applaus ertnte. In einer schlichten und feierlichen Zeremonie wurde Martin Jger am 03. Dezember zum Meditationslehrer des Daishin Zen ernannt. Wenn man erkennt, dass man nicht fr sich, sondern fr andere sitzt, beginnt der Zenweg zitierte Hinnerk seinen frheren Lehrer Bigan Roshi. Ein Meditationslehrer, so Hinnerk, ist dafr da, allen in der Sangha zu helfen, den Weg zu gehen. Meditationslehrer im Daishin Zen bieten Htten, an denen man auf dem Weg zur Bergspitze rasten kann. Sie sind da, andere zu untersttzen, in ihre Kraft zu kommen, ihr Herz zu ffnen und Hindernisse, die im Weg stehen, zu berwinden. Martin Jger ist jetzt neben Constanze Hofsttter der zweite Meditationslehrer im Daishin Zen. Beide ergnzen sich wunderbar in ihren jeweiligen Strken. Beide leben in der Nhe des Klosters und machen Buchenberg so zu einem Ort, an dem man Kraft tanken kann, auch wenn gerade kein Sesshin stattfindet. Auf Wunsch von Martin sang die Sangha whrend der Zeremonie das Shigo Seigamon, das Gelbde, allen Wesen zu dienen. Wer Martin kennt, wei, dass er alles mitbringt, was wichtig ist, um andere kraftvoll und einfhlsam zu begleiten: Energie, Ausdauer, Herzweisheit, Humor, Mitgefhl und Demut.

Als Jikku hat Martin zahlreiche Sesshins geleitet und die Gruppen mit Elan, Konzentration und Liebe durch alle Hindernisse begleitet und immer die richtigen Worte gefunden, in Energietiefs den Motor krftig anzuheizen oder berzogene Hrte auszugleichen durch feinen schwbischen Humor. Martin ist kein Mann der groen Worte. Seine Ansprache war kurz, bndig, bescheiden und dadurch umso berhrender. Der Weg ist unbeschreiblich. Es gibt keine Worte dafr. Ich mchte Euch danke sagen. Mge ich die Kraft haben, diesen Weg, allen Wesen zu dienen zu gehen. Wir sind alle Weggefhrten und auf demselben Weg, dem Weg zu uns selbst. Ich bitte Euch, mich zu untersttzen, wenn ich mal eine schwere Zeit habe. Umgekehrt verspreche ich euch. Ich bin fr euch da. Bei einem Konzert wre das der Moment gewesen, die Feuerzeuge hochzuhalten. Doch auch so waren die Flammen zu spren. Herzffnung im Zen geschieht in der Stille und braucht kein Zubehr. Beim Festessen wurde schweigend geschlemmt. Der Freude tat das keinen Abbruch.