Daishin Zen Schule

Warum fällt uns meist das Unheilsame so leicht und das Heilsame so schwer?

Das Unheilsame ist oft auch das Gewohnte, das Vertraute, das Bekannte – und das fällt gewöhnlich leichter als etwas Neues, anderes zu tun. Der erste Schritt ist also, zu erkennen, was ist heilsam, und was ist unheilsam für mich, und woher kommt das. Aber das sagt dir kein Zen-Meister. Du alleine entscheidest und bestimmst, was für dich heilsam und was unheilsam ist. Und das zu erkennen, das ist ein wesentlicher Schritt.

 

Und dann ist das Gute - so sagt es der Buddha - dass man immer genau im Jetzt, im Jetzt-Raum einen Wendepunkt machen kann. Wir können jederzeit anhalten, um einen neuen Weg zu gehen. Das ist dann der nächste wichtige, ganz entscheidende Schritt. Aber er kann Entscheidungen treffen, die alten unheilsamen Wege auflösen und einen neuen heilsamen Weg öffnen – jetzt in diesem Moment. Nicht morgen – niemals, sondern jetzt.

 

Im Laufe der Meditations-Zeit lerne ich, das Unheilsame vom Heilsamen zu unterscheiden. Das bedeutet auch, dass ich erkenne, das Recht zu haben, meinen eigenen Weg zu gehen. Das bedeutet dann weiter, dass ich feststelle, auch das Recht zu haben, mich von unheilsamen Dingen und unheilsamen Menschen zu trennen. Und das wiederum bedeutet, dass ich das Recht habe, mich heilsamen Dingen und heilsamen Menschen zuzuwenden. Das zweite fällt den Menschen meistens schwerer.

 

Auch das Bedauern, dass ich es gestern nicht geschafft habe, bringt mich nicht weiter, sondern nur das Tun jetzt. Jetzt die Entscheidung, jetzt, in die Zen-Übung gehen. Jetzt dem Leben entgegen gehen. Das ist die Freiheit, die jeder Mensch hat.

 

Zen zeigt einen Weg, die Energie aus dem Unheilsamen aufzulösen. Erst dann gewinne ich Schritt für Schritt die Kraft, die Lebenskraft, die Willenskraft, mich dem Heilsamen zuzuwenden. Und das gilt für alle Situationen des Lebens.

 

Unheilsames fällt uns auch deshalb oft „leichter“ – wie du schreibst, weil unheilsame Emotionen oft auch Widersacher sind, die deine Denk-Ausrichtung, Grundausrichtungen, Gesinnung, Rede und deine Handlung bestimmen. 

Dieser Widersacher ist ein Programm. Ein Programm z.B., das eine Mutter in ihre Tochter schreibt: das Schneewittchen-Programm, das daraus resultiert, dass die Mutter hauptsächlich auf ihre äußerer Erscheinung fixiert ist, ein Problem hat, alt zu werden und gleichzeitig die natürliche Schönheit und Empfindsamkeit der Tochter zu ertragen. Diese Empfindsamkeit ist vielleicht eine besondere Begabung von empathischer Intelligenz, die die Mutter in ihrer Jugend nicht zulassen durfte oder konnte. Oder vielleicht wendet sich der Vater in der Ehekrise mehr der Tochter zu, macht sie zu „seiner“ Über-Prinzessin. Es gibt viele Auslöser, aber am Ende ist das Opfer die heranwachsende Tochter: „Wenn du nicht geboren worden wärst, hätte ich deinen Vater nicht geheiratet, du bist schuld an meinem Unglück.“ Das beispielsweise hat die Mutter einer Schülerin von mir zu ihr nicht nur einmal gesagt. Die Tochter wird zur Feindin, Du bist nichts wert, aus dir wird nichts. Liebesentzug, Kälte, Kampf, Verzweiflung. Das Programm, das aus „Du bist nichts Wert, Du bist und kannst nichts“ entsteht, heißt „Einbruch der Selbstwertschätzung“.

 

Dieses  Programm ist jetzt festgeschrieben und taucht auch, wenn die Mutter längst tot ist, überall, besonders in Situationen, in denen es drauf ankommt, auf: „Du kannst es nicht“. Die Programme wiederholen sich und sind Widersacher.

 

Diese Widersacher zu überwinden, ist für viele ein Grund, den Zen-Weg zu beginnen. Und gerade zu den Themen: Zu viel Selbstverblendung, Selbstverstrickung, oder zu wenig Selbstwertschätzung, kann Zen auf eine schöne Art und Weise Befreiung bewirken und solche Programme, die nichts mit unserem natürlichen Wesen zu tun haben, auflösen.

 

Deshalb sagten die alten Meister immer wieder, Zen ist der Weg sich selbst zu besiegen und sich selbst zu befreien.

Selbstbesiegen meint, den Widersacher besiegen, und die alten Programme aufzulösen, und sich selbst zu befreien meint die Große Hingabe an das Leben in vollendeter Einheit und Ewigkeit.

 

„So grenzenlos wie der Himmel,

soll mein Erbarmen mit mir selber sein.“

 

 

Gassho

Hinnerk Syobu Polenski

 

Fragen
an den Zen-Meister

Ist Hara die erste Zwischenebene, die ich erfahren muss und Samadhi die zweite Metta die dritte bis ich zur Herzgeist Ebene aufsteigen kann?

WARUM? Warum haben wir uns aus diesem strahlenden EINS für einen Aufenthalt auf der Erde entschieden. Was soll das bringen, wenn wir doch jetzt wieder danach streben, EINS zu werden?

Ist Zen eine Religion?

Wodurch entsteht Leiden?

Hat Sport eine Bedeutung in Zen?

Was ist der Unterschied zwischen Zen Meditation und Vipassana Meditation?

Wie geht man mit Gefühlen, mit emotionalen inneren Bildern um? Da gibt es keinen Bezug zum aktuellen Leben und trotzdem ist da so eine Gefühlsintensität, von Hass von Ärger… Was macht man damit?

Ich habe Ihr Buch „Hör auf zu denken“ mit großem Interesse gelesen und mir ist einiges dabei klar geworden. Aufhören mit dem Denken ist ein Weg, der eingeübt werden muss. Wie bekomme ich aber meine Phantasien im Zaum? Wie bekomme ich meine Gedanken unter Kontrolle?

Wie verläuft Ihr Alltag als Zen Meister?

Wie kann ich zu innere Ruhe gelangen, wenn mich negative Menschen im meinem Umfeld aufregen? Sollte ich diese negativen Leute meiden?

Wie und wo kann ich mich als Meditationslehrer ausbilden lassen?

Welche Rolle spielt das Ego in Zen und was versteht man eigentlich genau darunter?

Kennst Du „Existential-psychologische Bildungs-und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte“? und kannst Du sie mir empfehlen?

Ich sitze seit über einem Jahr früh morgens und spät abends zwischen 25 und 60 Minuten, aber meistens nicht in Kraft und auch nicht in Ruhe. Ich spüre keinen dauerhaften, nennenswerten Vorschritt. Was kann ich tun?

Wie kann ich auf dem Weg bleiben, wenn eine Inspiration und Motivation von außen z.B. durch einen Zen Meister fehlt?
Ich schaffe es einfach nicht mehr regelmäßig zu sitzen. Ich frage mich, ob ich überhaupt sitzen soll.

In der Psychologie gibt es den Begriff des "Schattens", also verdrängte, unbewusste Persönlichkeitsanteile. Führt die Praxis des Zen zu einer Auflösung bzw. Integration von Schattenanteilen?

Ich bin inzwischen überzeugt, mit Zen den für mich richtigen Weg und mit Dir den für mich richtigen Meister gefunden zu haben. Ich bin aber kein "Schüler". Welche Rolle spielt die offizielle Anerkennung als Schüler für den weiteren Weg?

Gibt es Möglichkeiten durch die heutige Zeit auch mit einem Lehrer online in Kontakt zu treten? Und, was bedeutet: Der Meister hilft durch Initiation, festigt die Form und bietet eine Sangha?

Kann man Kindern Zen nahe bringen? Fällt es ihnen vielleicht sogar leichter als Erwachsenen?

"Unabhängig von allem folge dem Weg Deines Herzens. " - Welchem Weg aber folge ich, wenn der Weg sowohl dieser als auch jener sein könnte , wenn das Herz oder der Geist wirr sind?

Was sind erdachte Emotionen, Gefühle? Ich meine die Gefühle, die durch unser Denken entstanden sind? Und was sind im Gegensatz dazu Gefühle, die aus dem Herzen kommen, also echt und unverfälscht sind? Wie erkenne ich den Unterschied?

In vielen Ratgebern wird empfohlen, „positiv“ zu denken, ist das auch eine Empfehlung im Zen?

Wie gehe ich mit negativen und sogar destruktiven Gedanken um? Was ist denn mit Gefühlen wie Wut, Ärger, Traurigkeit usw.? Das alles ist ja auch ein Teil von mir.

Bin Anfänger in Punkto Meditation und habe mir Ihre DVD gekauft. Nun bin ich völlig verwirrt, wie ich es denn nun richtig mache! Soll ich mich konzentrieren auf`s Sitzen, Hören oder Atmen?

In dem Buch „Hör auf zu denken, sei einfach glücklich“ schreibst Du, dass man psychisch stabil sein sollte, bevor man mit Zen beginnt. Was heißt das genau? Kann ich Zen praktizieren, wenn ich zum Beispiel depressiv bin oder Panikattacken habe?

Nach 3 bis 4 Stunden Schlaf wache ich immer wieder auf, liege wach und das Gedankenkarussell dreht sich. Was kann ich tun?

Warum ist im Daishin Zen die Gehmeditation so schnell, ja fast schon hastig? Gibt das nicht auch eine gewisse Unruhe?

Wie wird die Praxis von Kinhin in Daishin Zen richtig ausgeführt?

Welche Rolle spielen Gleichmut und "Loslassen" in einem intensiven Leben mit Nähe und emotionaler Fülle?

Wie passen Freundschaft, Engagement, Treue und Liebe zum Zen?

Was ist das, was uns antreibt im Inneren, wenn wir es nicht Seele nennen?

Ist es für den Menschen natürlich, nicht zu denken?

Ist die Selbstdisziplin im Zen nicht auch nur eine Ablenkung, in die wir uns begeben?

Ist es nicht eher das alltägliche Tun, was uns immer wieder zu uns selbst führt?

Kann man z.b. Yoga, Qigong usw. mit Zazen verbinden?

Kann man auch mit geschlossenen Augen meditieren?

Gibt es so etwas wie Wiedergeburt?

Kann ich Zen-Meditarion auf einem Sessel praktizieren? Wenn ja, dann wie am besten?

Wie beginne ich mit Zen?

Es heißt, man sollte regelmässig Zazen sitzen, früh morgens oder spät abends. Wie ist es bei Schichtarbeitern?

Warum fällt uns meist das Unheilsame so leicht und das Heilsame so schwer?

Du sprichst viel über Führerschaft, sind „Leader“ für dich wichtiger als der Normalo?

Was bedeutet die „grosse Befreiung“ im Zen für die Gesellschaft?

Wie wird ein Manager ein Leader im Sinne des Zen?

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen Egozentrik, Egoismus und gesunder Selbstliebe?

Manchmal wird gesagt, der Mensch steckt in einem inneren Gefängnis. Was ist damit gemeint?

Was heißt Syobu Sensei und wie finde ich den „richtigen Lehrer“ für mich?

Warum sind Menschen unglücklich?

Was genau ist Zen?