Daishin Zen Schule

Es heißt, man sollte regelmässig Zazen sitzen, früh morgens oder spät abends. Wie ist es bei Schichtarbeitern?

Die wichtigste Zeit für die Übung ist am Morgen unmittelbar nach dem Aufstehen. Das bedeutet für Schichtarbeiter, der „Morgen“ ist immer der Zeitpunkt des Aufwachens nach dem langen Schlaf. Jeden Morgen werden wir neu geboren. Zwischen Aufwachen und Aufstehen sind wir für einen Moment sehr empfindsam, aber auch im Vollbesitz aller im Laufe der Zeit verloren gegangenen Fähigkeiten und frei von allen Belastungen. 

Im Prozess des Aufwachens gibt es noch eine feine Verbindung zu allen Ebenen des Bewusstseins, wir verfügen über eine große bewusste und unbewusste Gestaltungskraft. Die Phase des Aufwachens determiniert sehr stark unseren Tag. Durch die besondere Offenheit direkt nach dem Aufstehen sind wir besonders empfindlich und sensibel gegenüber negativen Eindrücken, aber auch heilsame Impulse können sich sehr verstärken. Deshalb ist unmittelbar nach dem Aufstehen die denkbar beste Zeit, Zen zu üben.

 

Im japanischen Zen-Kloster weckt der Jikijitsu die Mönche mit der Inkin, einer kleinen Handglocke und einem kraftvollem Kaijo-Schrei. Aufspringen, anziehen, Bett machen, Wasser ins Gesicht spritzen – all das geschieht in wenigen Minuten. Mein persönlicher Rekord liegt bei viereinhalb Minuten – und ich war natürlich der Letzte. Aus dem Schlaf heraus in dynamisches Erwachen und dann gleich in kraftvolle Stille. Sitzen in der Meditationshaltung in der Klosterhalle, kühle Morgenluft umweht sanft das Gesicht, Müdigkeit wandelt sich mit jedem Atemzug in das Hara in sanfte Kraft und wachsende Klarheit. Ich wache auf im Jetzt, mitten im Leben. Jeder Atemzug verbindet mich mit der Erde, verbindet mich mit mir selbst. Nach dem Zazen betrachte ich beim Morgentee die Dinge, die anliegen – aus dem Zen im Sitzen wird Zen im Alltag.

 

Die größte Offenheit, die größte Möglichkeit in seine Mitte zu kommen, besteht vor dem täglichen Chaos und nicht danach. Und das Chaos fängt nicht im Büro an, sondern in unserem Kopf. Im Büro, im Tagesgeschäft werden dann nur noch die passenden Knöpfe gedrückt. Genau so wie im Laufe meines Lebens mein Karma ein gewaltiges Wörtchen mitzureden hat, genauso determiniert jeder Morgen wie eine neue Geburt meinen ganzen Tag. Wenn ein Zen-Schüler seine Übung gefunden und gemeistert hat und sich der Ebene der Reinigung der Geistesprägung nähert, wird dies immer deutlicher.

 

Wann also übe ich Zazen? Direkt nach dem Aufstehen. Entscheidend ist nicht die Uhrzeit; hier gibt es sehr unterschiedliche Empfehlungen, die aber gerade bei Schichtarbeitern nicht einbeziehen, dass sie mal früh morgens, dann wieder am Mittag oder auch am späten Abend „aufstehen“.

 

Meine Empfehlung – auch für Schichtarbeiter: je nach Persönlichkeit sechs bis acht Stunden Schlaf und dann unmittelbar und direkt, mit so wenig Unterbrechungen wie möglich, in die Hara-Übung zu gehen.

 

Wenn das nicht möglich ist: Eine weitere gute Zeit für die Zen-Übung ist die Mittagszeit, verbunden mit einer leichten Mahlzeit. Statt schwerem Essen gibt es Salat, grünen Tee und Zazen. Kraft und Klarheit, wenn die meisten beginnen, sich mit vollem Magen müde von Kaffeetasse zu Kaffeetasse zu hangeln.

 

Zazen am Morgen, mittags wenig belastende minimale Kost und Aufladen mit 15 Minuten Zazen und in der 17-Uhr-Sitzung die Sieben-Atemzug-Übung, die das Blatt wendet – eine Übung, die im Hagakure beschrieben wird und bei der die Samurai vor wichtigen Entscheidungen immer erst sieben lange, tiefe Atemzüge machen, bevor sie handeln.

 

Auch unmittelbar nach dem Nachhausekommen ist eine sehr gute Zeit für Zazen. Handy aus, duschen, Meditationsanzug anziehen und – abgesprochen mit der Familie – totale Ruhe, Stille, Frei-werden. Danach kann ich den Menschen, die ich liebe, frei begegnen, ohne Excel-Charts, brennende Projekte und E-Mail-Push. Hallo, wie geht es dir – hallo, wie geht es mir. Wie schön, dass es dich gibt. Ein guter Weg, sich nicht irgendwann bei allem finanziellen Erfolg an einem Ort wiederzufinden, an dem niemand mehr ist, der einen liebevoll begrüßt. Allein erkenne ich zu spät, dass Tinnitus, Bandscheibenvorfall und atemberaubender Aktionismus ein schlechter Ersatz für Liebe und Nähe sind. Deshalb nenne ich die Trainingszeit nach dem Arbeitstag auch gerne „Family-Zazen“.

 

Zazen am späten Abend: Direkt vor dem Schlafen Zazen zu üben, bedeutet eine tiefe Reinigung. Gerade Menschen mit Schlafstörungen finden hier im Daishin Zen einen guten Weg, diese langfristig gefährlichste psychosomatische Erscheinung aufzulösen oder wenigstens zu mindern. Hara-Übungen sind für diese Zeit ungeeignet, da sie Kraft und Energie öffnen.

 

Gassho

Hinnerk Syobu Polenski

Fragen
an den Zen-Meister

Ist Hara die erste Zwischenebene, die ich erfahren muss und Samadhi die zweite Metta die dritte bis ich zur Herzgeist Ebene aufsteigen kann?

WARUM? Warum haben wir uns aus diesem strahlenden EINS für einen Aufenthalt auf der Erde entschieden. Was soll das bringen, wenn wir doch jetzt wieder danach streben, EINS zu werden?

Ist Zen eine Religion?

Wodurch entsteht Leiden?

Hat Sport eine Bedeutung in Zen?

Was ist der Unterschied zwischen Zen Meditation und Vipassana Meditation?

Wie geht man mit Gefühlen, mit emotionalen inneren Bildern um? Da gibt es keinen Bezug zum aktuellen Leben und trotzdem ist da so eine Gefühlsintensität, von Hass von Ärger… Was macht man damit?

Ich habe Ihr Buch „Hör auf zu denken“ mit großem Interesse gelesen und mir ist einiges dabei klar geworden. Aufhören mit dem Denken ist ein Weg, der eingeübt werden muss. Wie bekomme ich aber meine Phantasien im Zaum? Wie bekomme ich meine Gedanken unter Kontrolle?

Wie verläuft Ihr Alltag als Zen Meister?

Wie kann ich zu innere Ruhe gelangen, wenn mich negative Menschen im meinem Umfeld aufregen? Sollte ich diese negativen Leute meiden?

Wie und wo kann ich mich als Meditationslehrer ausbilden lassen?

Welche Rolle spielt das Ego in Zen und was versteht man eigentlich genau darunter?

Kennst Du „Existential-psychologische Bildungs-und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte“? und kannst Du sie mir empfehlen?

Ich sitze seit über einem Jahr früh morgens und spät abends zwischen 25 und 60 Minuten, aber meistens nicht in Kraft und auch nicht in Ruhe. Ich spüre keinen dauerhaften, nennenswerten Vorschritt. Was kann ich tun?

Wie kann ich auf dem Weg bleiben, wenn eine Inspiration und Motivation von außen z.B. durch einen Zen Meister fehlt?
Ich schaffe es einfach nicht mehr regelmäßig zu sitzen. Ich frage mich, ob ich überhaupt sitzen soll.

In der Psychologie gibt es den Begriff des "Schattens", also verdrängte, unbewusste Persönlichkeitsanteile. Führt die Praxis des Zen zu einer Auflösung bzw. Integration von Schattenanteilen?

Ich bin inzwischen überzeugt, mit Zen den für mich richtigen Weg und mit Dir den für mich richtigen Meister gefunden zu haben. Ich bin aber kein "Schüler". Welche Rolle spielt die offizielle Anerkennung als Schüler für den weiteren Weg?

Gibt es Möglichkeiten durch die heutige Zeit auch mit einem Lehrer online in Kontakt zu treten? Und, was bedeutet: Der Meister hilft durch Initiation, festigt die Form und bietet eine Sangha?

Kann man Kindern Zen nahe bringen? Fällt es ihnen vielleicht sogar leichter als Erwachsenen?

"Unabhängig von allem folge dem Weg Deines Herzens. " - Welchem Weg aber folge ich, wenn der Weg sowohl dieser als auch jener sein könnte , wenn das Herz oder der Geist wirr sind?

Was sind erdachte Emotionen, Gefühle? Ich meine die Gefühle, die durch unser Denken entstanden sind? Und was sind im Gegensatz dazu Gefühle, die aus dem Herzen kommen, also echt und unverfälscht sind? Wie erkenne ich den Unterschied?

In vielen Ratgebern wird empfohlen, „positiv“ zu denken, ist das auch eine Empfehlung im Zen?

Wie gehe ich mit negativen und sogar destruktiven Gedanken um? Was ist denn mit Gefühlen wie Wut, Ärger, Traurigkeit usw.? Das alles ist ja auch ein Teil von mir.

Bin Anfänger in Punkto Meditation und habe mir Ihre DVD gekauft. Nun bin ich völlig verwirrt, wie ich es denn nun richtig mache! Soll ich mich konzentrieren auf`s Sitzen, Hören oder Atmen?

In dem Buch „Hör auf zu denken, sei einfach glücklich“ schreibst Du, dass man psychisch stabil sein sollte, bevor man mit Zen beginnt. Was heißt das genau? Kann ich Zen praktizieren, wenn ich zum Beispiel depressiv bin oder Panikattacken habe?

Nach 3 bis 4 Stunden Schlaf wache ich immer wieder auf, liege wach und das Gedankenkarussell dreht sich. Was kann ich tun?

Warum ist im Daishin Zen die Gehmeditation so schnell, ja fast schon hastig? Gibt das nicht auch eine gewisse Unruhe?

Wie wird die Praxis von Kinhin in Daishin Zen richtig ausgeführt?

Welche Rolle spielen Gleichmut und "Loslassen" in einem intensiven Leben mit Nähe und emotionaler Fülle?

Wie passen Freundschaft, Engagement, Treue und Liebe zum Zen?

Was ist das, was uns antreibt im Inneren, wenn wir es nicht Seele nennen?

Ist es für den Menschen natürlich, nicht zu denken?

Ist die Selbstdisziplin im Zen nicht auch nur eine Ablenkung, in die wir uns begeben?

Ist es nicht eher das alltägliche Tun, was uns immer wieder zu uns selbst führt?

Kann man z.b. Yoga, Qigong usw. mit Zazen verbinden?

Kann man auch mit geschlossenen Augen meditieren?

Gibt es so etwas wie Wiedergeburt?

Kann ich Zen-Meditarion auf einem Sessel praktizieren? Wenn ja, dann wie am besten?

Wie beginne ich mit Zen?

Es heißt, man sollte regelmässig Zazen sitzen, früh morgens oder spät abends. Wie ist es bei Schichtarbeitern?

Warum fällt uns meist das Unheilsame so leicht und das Heilsame so schwer?

Du sprichst viel über Führerschaft, sind „Leader“ für dich wichtiger als der Normalo?

Was bedeutet die „grosse Befreiung“ im Zen für die Gesellschaft?

Wie wird ein Manager ein Leader im Sinne des Zen?

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen Egozentrik, Egoismus und gesunder Selbstliebe?

Manchmal wird gesagt, der Mensch steckt in einem inneren Gefängnis. Was ist damit gemeint?

Was heißt Syobu Sensei und wie finde ich den „richtigen Lehrer“ für mich?

Warum sind Menschen unglücklich?

Was genau ist Zen?