Daishin Zen Schule

Wie geht man mit Gefühlen, mit emotionalen inneren Bildern um? Da gibt es keinen Bezug zum aktuellen Leben und trotzdem ist da so eine Gefühlsintensität, von Hass von Ärger… Was macht man damit?

Gier, Hass und auch die Angst, die Furcht sind Ursache unserer fortwirkenden Taten. Sie treten auf als Geschöpfe des Denkens, des Redens und des Handelns. Gefühle sind im Buddhismus das, was für die Kirche der Teufel ist, sie sind die Grundursache von Leid. Diese Grundgefühle sind im Buddhismus: Gier, Hass und Verblendung. Verblendung ist ein anderes Wort für Furcht, der Angst. Und diese sind die Grundwurzel, die immer neu alles kreiert. Am tiefsten ist die Gier, aus der sich dann alle anderen Dinge wie Trägheit, Neid und Unruhe weiterentwickeln.

Damit unzugehen ist eine außergewöhnliche Herausforderung: Gedanken sind der Teil, der Aspekt, der zwar die modernen Menschen am meisten plagt, sich aber relativ leicht durch Übungen unterbrechen lässt. Solche Übungen kann jeder an einem Wochenende lernen und dann verbunden mit Atmung, Kraft und Erdung einen Zustand von Nicht-Denken erreichen. Und in dieser dann entstehenden Stille kann der Mensch eine Erfahrung von sich selber machen. Das sind Erfahrungen von Liebe, Freude, Mitgefühl oder Gelassenheit.

Gefühl hat immer auch eine Dimension von Körperlichkeit

Die Dimension des Gefühls ist dagegen von überwältigender Macht. Der Grund liegt in der Konstruktion des Gefühls, die ist anders als die eines Gedankens. Gefühle sind ineinander verwoben, es ist eine andere Dimension. Der Gedanke findet in meinem Kopf, in meinem Ego, in einer Illusion statt. Den Gedanken kann ich abgehen von jeglicher Körperlichkeit, auch wenn sie Körperlichkeit auszudrücken scheinen. Aber das Gefühl ist immer eine Dimension von Körperlichkeit, das heißt, der Körper wird immer miteinbezogen, ist beteiligt.

Bin ich gierig, ist auch der Körper, das ganze System gierig. Das ganze System hasst. Und das ist im ersten Moment die größte Herausforderung für uns Menschen. Es gibt keine Lücke. Weil der Versuch von zweitausend Jahren Philosophie und Religion in Europa, zum Beispiel der Gier Herr zu werden, immer der Versuch ist, eine Meta-Ebene zu bilden, eine Überebene des Verstandes, der das beobachtet. Aber wenn das Gefühl da mit voller Kraft zuschlägt, löscht es da diese Überebene komplett aus und ich bin überwältigt. Ob das in mir stattfindet ohne einen Gegenstand, ob es durch Worte oder durch ein Ereignis ausgelöst wird, spielt keine Rolle. Aber sie sind die Ursache dieser Verkettung, die sich immer weiter und weiter fortsetzt und immer weiter unheilsam agiert. Das sind die Kreise, in denen wir uns bewegen, die uns zwingen immer wieder in dem gleichen Unheil zu bleiben. Das ist das Grundthema und das ist kein Schnellschuss.

Die erste heilsame Dimension ist die Erfahrung von Liebe, die dagegen steht. Liebe ist im Daishin Zen kein Gefühl, sondern Liebe ist eine hohe Dimension von Bewusstsein. Diese Dimension ist über den Gefühlen, über dem Verstand. Das ist ein Bewusstseinszustand, der uns Menschen adelt, genauso wie Mitgefühl, Intuition und Empathie. Alle diese Dimensionen finden auf einer eine höheren Ebene des Bewusstseins statt. Und auf dieser Ebene sind wir in der Lage, für Momente einen Gegenpol zu bilden. Angst, Furcht ist überwältigend und kann jegliche Form von Liebe töten. Aber Liebe kann auch diese Furcht auflösen.

Das heißt, die Erfahrung meines wirkliches Seins ist die erste kleine, zarte Instanz, in der ich fühle, dass es nicht nur dieses negative Erfahrung gibt. Aber dennoch erlebe ich nach der ersten Erfahrung von Einheit oder Liebe in der Übung gleichzeitig im Alltag ein totales Scheitern. Diese Erfahrung mitten in einer gegebenen Situation ist ein Teil der großen, schwierigen Herausforderung, sie ist ein Teil der Transformation. Erst wenn der Mensch eine Wesensschau hat, Kensho, kann er einen Weg gehen, der dann immer noch acht bis zwölf Jahre dauert, auf dem sich eine Dimension öffnet, die eine immerwährende Instanz dauerhafter Friedfertigkeit und Stille, unabhängig von den Gefühlen mit sich bringt. Aber selbst dann ist es so, dass es immer wieder Herausforderungen geben kann, die auch einen Menschen auf dem Weg zur Meisterschaft wegpustet - wie ein Ball in einem Sturm weggefegt wird.

Es ist also eine lebenslange Herausforderung und Transformation. Hier geht es nicht um irgendeinen Aspekt, sondern um die grundsätzliche Wandlung des Lebens - unseres Lebens - aus der Verblendung - Gier, Hass Verblendung - in einen anderen Zustand von Leben - wo Gier, Hass und Verblendung mehr und mehr abfallen und zu Liebe, Freude, Gelassenheit, Mitgefühl werden.

Meisterschaft bedeutet, Herausforderungen immer wieder anzunehmen

Das ist ein großer Weg, der nicht unterschätzt werden sollte. Meisterschaft bedeutet für mich nicht, dass ich das gemeistert habe, sondern, dass ich immer wieder die Herausforderung annehme und auch in dem Scheitern den Weg unabhängig von allem weiter gehe. Darin besteht Meisterschaft. Sie ist sicherlich ein Zustand vollkommener, ewiger Liebe und Licht, in der man ewig wandelt. Ich weiß nicht, ob es solche Lebewesen gibt, ich habe sie nie getroffen. Aber in diesem Scheitern wieder aufzustehen, in dem Bewusstsein menschlicher Begrenztheit diesen Weg weiter zu gehen, zu vollenden, zu streben und mehr und mehr zu transformieren, darum geht es. Immer wieder zu fallen, zu irren. Das ist die ganz große menschliche Herausforderung.

Das kenne es aus meiner Erfahrung. Ich kann nur sagen: das ist ein Weg. Ein großartiger, wunderschöner Weg bis zum Ende. Immer weiter. Es gehört dazu, immer wieder neu zu erkennen: ich bin Mensch, ich habe mich getäuscht. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Und diese Transformation, die brauchen wir, um den Kreis zu schließen. Wir brauchen diese Form von Intelligenz und von Bewusstsein, um die Herausforderung, vor der wir als Menschheit stehen auf dem immer kleiner werdenden Planeten, heilsam zu lösen.

An erster Stelle steht sich selber zu meistern und dann heilt auch die eigene Welt und dann unser aller Welt.

Gassho
Hinnerk Syobu Polenski

Fragen
an den Zen-Meister

Ist Hara die erste Zwischenebene, die ich erfahren muss und Samadhi die zweite Metta die dritte bis ich zur Herzgeist Ebene aufsteigen kann?

WARUM? Warum haben wir uns aus diesem strahlenden EINS für einen Aufenthalt auf der Erde entschieden. Was soll das bringen, wenn wir doch jetzt wieder danach streben, EINS zu werden?

Ist Zen eine Religion?

Wodurch entsteht Leiden?

Hat Sport eine Bedeutung in Zen?

Was ist der Unterschied zwischen Zen Meditation und Vipassana Meditation?

Wie geht man mit Gefühlen, mit emotionalen inneren Bildern um? Da gibt es keinen Bezug zum aktuellen Leben und trotzdem ist da so eine Gefühlsintensität, von Hass von Ärger… Was macht man damit?

Ich habe Ihr Buch „Hör auf zu denken“ mit großem Interesse gelesen und mir ist einiges dabei klar geworden. Aufhören mit dem Denken ist ein Weg, der eingeübt werden muss. Wie bekomme ich aber meine Phantasien im Zaum? Wie bekomme ich meine Gedanken unter Kontrolle?

Wie verläuft Ihr Alltag als Zen Meister?

Wie kann ich zu innere Ruhe gelangen, wenn mich negative Menschen im meinem Umfeld aufregen? Sollte ich diese negativen Leute meiden?

Wie und wo kann ich mich als Meditationslehrer ausbilden lassen?

Welche Rolle spielt das Ego in Zen und was versteht man eigentlich genau darunter?

Kennst Du „Existential-psychologische Bildungs-und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte“? und kannst Du sie mir empfehlen?

Ich sitze seit über einem Jahr früh morgens und spät abends zwischen 25 und 60 Minuten, aber meistens nicht in Kraft und auch nicht in Ruhe. Ich spüre keinen dauerhaften, nennenswerten Vorschritt. Was kann ich tun?

Wie kann ich auf dem Weg bleiben, wenn eine Inspiration und Motivation von außen z.B. durch einen Zen Meister fehlt?
Ich schaffe es einfach nicht mehr regelmäßig zu sitzen. Ich frage mich, ob ich überhaupt sitzen soll.

In der Psychologie gibt es den Begriff des "Schattens", also verdrängte, unbewusste Persönlichkeitsanteile. Führt die Praxis des Zen zu einer Auflösung bzw. Integration von Schattenanteilen?

Ich bin inzwischen überzeugt, mit Zen den für mich richtigen Weg und mit Dir den für mich richtigen Meister gefunden zu haben. Ich bin aber kein "Schüler". Welche Rolle spielt die offizielle Anerkennung als Schüler für den weiteren Weg?

Gibt es Möglichkeiten durch die heutige Zeit auch mit einem Lehrer online in Kontakt zu treten? Und, was bedeutet: Der Meister hilft durch Initiation, festigt die Form und bietet eine Sangha?

Kann man Kindern Zen nahe bringen? Fällt es ihnen vielleicht sogar leichter als Erwachsenen?

"Unabhängig von allem folge dem Weg Deines Herzens. " - Welchem Weg aber folge ich, wenn der Weg sowohl dieser als auch jener sein könnte , wenn das Herz oder der Geist wirr sind?

Was sind erdachte Emotionen, Gefühle? Ich meine die Gefühle, die durch unser Denken entstanden sind? Und was sind im Gegensatz dazu Gefühle, die aus dem Herzen kommen, also echt und unverfälscht sind? Wie erkenne ich den Unterschied?

In vielen Ratgebern wird empfohlen, „positiv“ zu denken, ist das auch eine Empfehlung im Zen?

Wie gehe ich mit negativen und sogar destruktiven Gedanken um? Was ist denn mit Gefühlen wie Wut, Ärger, Traurigkeit usw.? Das alles ist ja auch ein Teil von mir.

Bin Anfänger in Punkto Meditation und habe mir Ihre DVD gekauft. Nun bin ich völlig verwirrt, wie ich es denn nun richtig mache! Soll ich mich konzentrieren auf`s Sitzen, Hören oder Atmen?

In dem Buch „Hör auf zu denken, sei einfach glücklich“ schreibst Du, dass man psychisch stabil sein sollte, bevor man mit Zen beginnt. Was heißt das genau? Kann ich Zen praktizieren, wenn ich zum Beispiel depressiv bin oder Panikattacken habe?

Nach 3 bis 4 Stunden Schlaf wache ich immer wieder auf, liege wach und das Gedankenkarussell dreht sich. Was kann ich tun?

Warum ist im Daishin Zen die Gehmeditation so schnell, ja fast schon hastig? Gibt das nicht auch eine gewisse Unruhe?

Wie wird die Praxis von Kinhin in Daishin Zen richtig ausgeführt?

Welche Rolle spielen Gleichmut und "Loslassen" in einem intensiven Leben mit Nähe und emotionaler Fülle?

Wie passen Freundschaft, Engagement, Treue und Liebe zum Zen?

Was ist das, was uns antreibt im Inneren, wenn wir es nicht Seele nennen?

Ist es für den Menschen natürlich, nicht zu denken?

Ist die Selbstdisziplin im Zen nicht auch nur eine Ablenkung, in die wir uns begeben?

Ist es nicht eher das alltägliche Tun, was uns immer wieder zu uns selbst führt?

Kann man z.b. Yoga, Qigong usw. mit Zazen verbinden?

Kann man auch mit geschlossenen Augen meditieren?

Gibt es so etwas wie Wiedergeburt?

Kann ich Zen-Meditarion auf einem Sessel praktizieren? Wenn ja, dann wie am besten?

Wie beginne ich mit Zen?

Es heißt, man sollte regelmässig Zazen sitzen, früh morgens oder spät abends. Wie ist es bei Schichtarbeitern?

Warum fällt uns meist das Unheilsame so leicht und das Heilsame so schwer?

Du sprichst viel über Führerschaft, sind „Leader“ für dich wichtiger als der Normalo?

Was bedeutet die „grosse Befreiung“ im Zen für die Gesellschaft?

Wie wird ein Manager ein Leader im Sinne des Zen?

Wie erkenne ich den Unterschied zwischen Egozentrik, Egoismus und gesunder Selbstliebe?

Manchmal wird gesagt, der Mensch steckt in einem inneren Gefängnis. Was ist damit gemeint?

Was heißt Syobu Sensei und wie finde ich den „richtigen Lehrer“ für mich?

Warum sind Menschen unglücklich?

Was genau ist Zen?