Joshus "Spüle deine Schalen"

Teisho - Zen-Meister Hinnerk Polenski

 

Ein Mann kommt zu Meister Joshu und fragt ihn: Ich bin neu hier im Kloster, zeig mir doch bitte den Weg. 
Der Zen-Meister Joshu fragt ihn: Hast du heute schon gefrühstückt? 
Ja, hab ich, antwortet der junge Mann. 
Dann solltest du deine Schalen abwaschen. 
Darauf hatte der junge Mann ein tiefe Einsicht. 
Mumon-Kan Nummer7. 
Joshu, Joshin, oder Chao-chou genannt, ist einer der ganz großen spirituellen Giganten, 778-887 hat er gelebt, ist 119 Jahre alt geworden, hat über 80 Jahre das Dharma unterrichtet, und das in den letzten 40 Jahre als Meister, als besonderer Meister. Er ist derjenige, der nach dem Tod von seinem Lehrer Nansen, und als er in die Welt hinausging, sagte: Ich geh jetzt in die Welt, und wenn ich ein Kind treffe, das mich belehrt, dann freue ich mich, von einem Kind zu lernen, aber wenn ich einen alten Mann treffe, den ich belehren kann, dann werde ich ihn belehren. 
Sein Lehrer Nansen Fugan ist ebenfalls einer aus dieser alten Riege, der bei dem legendären Großmeister Ma noch gelebt hat; Ma-tsu Tao-i, der wiederum war Schüler bei Nangaku Eju, und da sind wir jetzt beim sechsten Patriarchen Hui-Neng, ihr seht, diese alte Zeit, war die Zeit der Titanen, der großen Meister,  Tang Dynastie, China. Deshalb möchte ich auch erstmal als kleinen Kotau einige Zen Meister der Moderne zu Wort kommen lassen zu diesem Koan.
Einer davon ist Koun Yamada, der Lehrer von Pater Enomiya Lassalle, den ich selber noch 1987 kennenlernte, eine gigantische, unglaubliche Person, ein Pionier des christlichen Zen in Deutschland; und Yamada sagt: Na ja, dieser junge Mann ist nicht so ganz ohne. Der sagt: Ich bin hier neu, aber Joshu merkt, da ist schon was los, und fragt einfach: Hast du schon gefrühstückt? Hast du schon Kensho? So. Und der sagt: Jo, hab ich – das ist vorne...  Yamada weist darauf hin, dass Leute, die Kensho hatten, eine erste Einsicht haben, in der Regel unangenehm auffallen, weil sie zum Beispiel meinen, dass sie dadurch Erleuchtung zeigen, indem sie irre lachen oder verrückte Sachen machen oder sich hin murmeln: heijo shin kore do, Nishi nishi kore kojitsu... und dadurch bedeutungsschwanger durch die Gegend eiern, und Yamada sagt: So ein Unsinn, und das hat Joshu auch erkannt: abscheulich, furchtbar, ja, also geh erst mal abwaschen, wasch den letzten Dreck ab von dir, du stinkst. So. 
In eine ähnliche Kerbe haut ein großer Pionier des Zen, das ist Albert Low, nicht so bekannt, ein Schüler von Yasutani, und danach von Phillip Kapleau - Kapleau, ja, meine Großmutter hat Kapleau gelesen und ich auch entsprechend mit 11 Jahren das erste Mal in der Hand gehalten - und er geht noch weiter und sagt: Was ist denn da los, das ist ein  junger Mann, der denkt, kuck mal was ist denn das für ein alter Meister da, was ist das für ein Knacker, und... Ich bin neu hier, hallo, hast du irgendeine Lehre zu verkünden? Und natürlich reagiert Joshu mit unendlicher Tiefe, einfach mit dem So-Sein, wie es ist, also, was machst du hier für ein Aufheben... 
Es gibt eine ähnliche Geschichte von Joshu. Da kommt auch einer ins Kloster: Ich bin neu hier, und ich weiß nichts über Zen. Manchmal kommen hier auch solche Vögel an, man weiß genau, ja der hat schon mal..., der sitzt schon 7-8 Jahre irgendwo, man riecht einfach den Braten …, und Joshu fragt diesen Jungen: Wie heißt denn du überhaupt? Äh, oh, Enan. Ja, das ist mir aber ein schönes weißes Nichts hier so, sagt Joshu darauf. Also, das ist eine ganz putzige Geschichte, die man vielleicht weiterspinnen kann, das ist ein alter Meister, der sitzt so mit seinen Schülern und sagt: Wisst ihr nicht, das es in ganz China keinen einzigen Zen-Meister gibt? Was nervt ihr mich denn hier? Und ein jüngerer Schüler: Entschuldigung, aber was ist denn mit dem Zen-Meister und dem, und dem ehrwürdigen..., und deinem Lehrer..., und da sagt er: Ich hab nicht gesagt, dass es in China kein Zen gibt. So. 
Eine andere Ausrichtung, dieses Koan zu betrachten, liefert Zenkai Shibayama, 1884 geboren. Ich habe seine Koans immer sehr geschätzt, wenn auch mein Lehrer sagte: Das ist eine beschissene Übersetzung. Damit kannst du nichts anfangen. Aber, nach wie vor, mag ich die „Quellen des Zen“. Natürlich ist es so, wenn man mit Koans arbeitet, ist Sekida Pflicht. Zenkai sagt: Der Mönch hats verkackt, der hat es verrissen. So. Der kommt also und sagt: Ich will was lernen, so, und hat dann die Möglichkeit, mal einen Meister zu treffen und ihn auch noch zu fragen, und dieser Meister schießt den ersten Pfeil: Hast du schon gefrühstückt? Jo - Pfeil vorbei... was für ein Drama! Götter weinen, Taras sind erschüttert -  aber wir kennen ja Joshu, der legt sofort einen zweiten Pfeil auf und sagt: Gut, verpiss dich, wasch deine Schalen ab!  So, und der Punkt ist einfach der, Shido Bunan sagt: Lass dich von dem Weg nicht irremachen, - am Ende gibt es nur das was du tust, wenn du morgens aufstehst, und was du in der Nacht so machst, oder wenn du irgendwo rumsitzt. Was soll das?
Wir bleiben bei Joshu. Joshu, als er noch jung war, 18 schätze ich, ist bei  Nansen, und sagt ganz offen: Sag mal, was ist der Weg? Und Nansen sagt: Der alltägliche Geist ist der Weg, heijo shin kore do. Der alltägliche Geist ist der Weg. 
Und Joshu fragt ganz berechtigt: Ja, und wie kann ich den finden? 
Nansen: Wenn du versuchst ihn zu finden, verlierst du ihn. 
Und wie weiß ich überhaupt, was richtig und falsch ist? 
Der Weg ist unabhängig von richtig und falsch. Wissen ist Verblendung. Nicht-Wissen ist öde Leere. Wenn du diesen Weg des Nicht-Zweifels gefunden hast, ist es wie der offene weite Raum, grenzenlos und frei. wie kann es etwas geben von Wissen und Nicht-Wissen, von richtig und nicht-richtig? Daraufhin hatte Joshu eine tiefe Einsicht. 
Was ist da los? 
So, meine Teeschale ist leer. Ok, schade, ja? Ich hätte jetzt gerne noch Tee getrunken, also koche ich mir gleich noch einen Tee, ok? Das ist alles. Alles was da ist, bewegt sich in einer Kontinuität. Nichts ist fest, es sieht nur so aus.  Wir haben die Ansicht, dass Materie fest ist. Das ist aber nur ein Augenblick. Der Wind, der hier gerade so weht, dieses Lüftchen, das ist nicht fest. Und das Licht ist nicht fest. Und die Blätter, dieses Grün? Im Herbst ist es nicht mehr da.  
Alles was ist, ist in einer Kontinuität, und diese Kontinuität ist das Dharma. Das ist die Wirklichkeit. Das ist Ultimatum, ist das Wesen, und gleichzeitig unglaublich banal. In dem Moment, wenn ich mich davon trenne, haben wir es verloren. Dann ist der Weg nicht mehr da. 
Joshu ist ein Meister des Nirmanakaya, der Soheit, Tathagata, hier und jetzt, und nichts anderes. Ich gehe in den Wald, niemand ist mehr da. Schritt für Schritt. Der Weg ist sehr einfach. Ich wasche die Schale ab, und koche einen neuen Tee. 

 

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