Daishin Zen Schule
15.07.2012

Hier und jetzt - in Freiheit leben

Von Hinnerk Syobu Polenski

Sommer, Urlaub, Ferien, Spaß und Erholung. Die nächsten Wochen gehören für viele zu der schönsten Zeit im Jahr. Kein Stress, Pause, viel Zeit für die Familie und auch Zeit für das Leben. Viele fliegen zu ihrem Urlaubsziel. Der Flug hoch über der Erde ist eine Lehrstunde in Sachen Zen und Meditation: Das Flugzeug hebt ab, wackelt, alle Reisenden sind etwas unsicher, einige haben ein mulmiges Gefühl, aber da ist auch die Freude auf die Ankunft am Urlaubsort. Dann fliegen wir durch Wolken, Wolkenschichten, keine Sicht, nur Wolken-Nebel. Und plötzlich löst sich diese Mauer auf. Erste blaue Flecken am Himmel sind sichtbar, noch versteckt hinter Wolkenfetzen, aber der Himmel ist zu sehen – mehr und mehr. Und dann, dann fliegen wir über den Wolken, sehen nur noch den weiten, blauen Himmel und die strahlende glänzende Sonne am Horizont...... Das ist Meditation.

So grenzenlos wie dieser Himmel soll mein Mitgefühl mit mir selber sein. Erst wenn sich dieses uneingeschränkte Mitgefühl für mich selber öffnet, dann kann auch die Sonne des Mitgefühls für alle Anderen aufleuchten. Ich kann niemand anderen retten, wenn nicht das Licht, die Sonne aus mir selber strahlt. Kein Schatten, keine Dunkelheit ist dort, wo ich selber das Zentrum dieses Lichtes bin. Möge ich vollkommene Erleuchtung zum Wohle aller Wesen sein. Möge ich vollkommene Befreiung, frei von Gier, Hass, Furcht, Verblendung und Verstrickung sein. Möge ich vollkommene Liebe, Harmonie, Heil sein zum Wohle aller Wesen sein. Möge ich vollkommen glücklich sein und in Frieden leben.

Ich bin ein Mensch, ich bin begrenzt, darum gehe ich diesen Weg in Freiheit

Das ist der Ansatz, uns selbst und unsere Welt zu retten. Diese Sonne zum Leuchten zu bringen, in mir selbst, immer wieder scheiternd, hinter Wolken versteckt, und immer wieder auch ganz bewusst: Ich bin ein Mensch, und Mensch sein bedeutet begrenzt sein, überwältigt werden von unheilsamen Emotionen, an Grenzen zu stoßen, Unvollkommenheit, Irrtum, Verstrickung, Rückwürfe.

Egal auf welcher Ebene ich stehe, wie lange ich mich schon durch Wolken mühe, ich gehe den Weg weiter. Nicht nach außen, was der Mensch, die anderen denken, Ethik hier und dort, bin ich ein guter oder ein schlechter Mensch, sondern ich gehe nach innen, um die Sonne in mir zum Leuchten zu bringen.

Güte, Freude, Liebe und Gelassenheit sind die Qualitäten, die ich wie eine Sonne zum Strahlen bringe aus mir heraus. Daraus ergibt sich das Heilende für mich selbst und das Mittel der Heilung für andere.

So grenzenlos wie der Himmel soll mein Erbarmen mit mir selber sein

Darum: wenn ihr in den nächsten Wochen in einem Flugzeug sitzt und hoch über der Erde in den blauen Himmel schaut, denkt daran:
So grenzenlos wie der Himmel soll mein Erbarmen mit allen fühlenden Wesen sein.
Mögen alle Wesen frei sein von Gier, Hass, Verblendung, Furcht und Verstrickung.
Der gelassene Sinn, der gereinigte Sinn soll frei sein und nicht haften an den Dingen dieser Welt, gleich wie die Lotusblüte, lieblich und unbefleckt sich aus dem Schlamm erhebt, vollkommen unberührt, so soll mein Meditieren sein, wenngleich ich auch in dieser Welt der Täuschung lebe, und die Täuschung ist in mir, und ich falle immer wieder darauf herein.
Unvollkommenheit, wenngleich ich auch in dieser Welt der Täuschung und Verstrickung lebe. Mögen alle Wesen glücklich sein und in Frieden leben.
Hier und jetzt – was fehlte denn da noch, wo sich jetzt das Heilige offenbart?
Hier und jetzt: Alles ist reiner Geist. Alles ist grenzenlose Liebe.

Wenn wir Menschen dies in der Begrenzung erkennen, öffnet sich unser wahres Sein. Alle Last fällt ab. Nur Licht und Helligkeit. Herz heilt. Liebe heiligt. Legt eure Bündel ab, die Schwere, die Kleinheit und öffnet Euer Herz jetzt voller Mitgefühl für euch selbst. Lasst euren ganzen Körper durchfluten von dieser Wärme und diesem Mitgefühl. Was ist euch alles angetan worden? Was tut ihr euch selbst nur an? Was tut ihr anderen an?

Nur Mitgefühl jetzt, in diesem Moment für euch. Erlösung. Lasst diese Wärme sich in jeder Zelle ausbreiten. Dieses Licht. Mitgefühl. Das große Wesen nimmt das kleinere Wesen liebevoll in den Arm. Mitgefühl, Güte. Alles Lebende, jeder Vogel strebt diesem Heiligen entgegen. Liebe heilt. Heiligt. Gebt das Kleine auf. Gebt auf, euch selbst zu quälen, gebt auf, euch zum Opfer zu machen, gebt auf, Täter zu sein. Nur Sein ist unser wahres Wesen. Lasst das Licht eures Herzens die Liebe wie eine unendliche Sonne in euch scheinen. Jede Zelle durchflutet jetzt euren Körper, alles ist Liebe, in jeder Zelle, voller Kraft, Licht und Liebe und verbindet sich jetzt mit allen anderen hier im Raum und weitet sich bis zum Horizont mit allen Wesen und Menschen, die hier sind und weitet sich mit allen Wesen dieser Welt und weitet sich wie der endlose offene Raum und kehrt zurück hierher. Nur Sein. Nur Herz. Nur Geist.

Ablassen und zulassen, das ist schon alles.

Daishin, großer Herzgeist. Heute, hier und jetzt könnt ihr, dürft ihr ewig frei zu sein. Ihr müsst einfach nur ablassen, zulassen. Gier, Hass und Verblendung sind die Ursachen unserer fortwirkenden Taten. Sie treten hervor als Geschöpfe des Leibes, des Mundes und der Gesinnung. Tiefe Einsicht durchdringt jetzt unser Wesen. Mitgefühl. Mitgefühl mit euch ist der Beginn. Mitgefühl mit Anderen ist der Weg. Heiliger Geist, Herz-Weisheit - die Vollendung.

Ich wünsche euch eine schöne Zeit, wo immer ihr auf dieser Welt auch sein mögt.

Gassho


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