Daishin Zen Schule
24.08.2012

Warum denken wir unaufhörlich ?

Aus dem WDR-Tischgespräch am 16. Mai 2012 - Kirsten Pape im Gespräch mit Hinnerk Polenski

Unsere Kultur ist sehr stolz darauf, zu denken, und auch das ist auch richtig. Vernunft und Verstand sind die Fundamente unserer Zivilisation. Das Problem ist, wir denken überhaupt nicht, das ist eine Riesenillusion. Die Wahrheit ist, wir werden gedacht. Was ich damit meine?

Im ersten Moment heißt es: „Guten Tag, ich heiße Ichsoundso, ich bin die Person XY“. Wir werden als Kinder geboren, unschuldig. Wir gucken die Welt mit offenen Augen an, es ist ein riesiger Abenteuerweg. Und mehr und mehr kommen Menschen und sagen uns, was gut und richtig ist. Das ist ja im ersten Moment ok. Als Kind darf ich nicht auf die Herdplatte fassen. Aber ob ich dann Der-und-Der sein muss, und Der-und-Der ist nicht gut, das ist eine andere Geschichte. So wird mehr und mehr unser wirkliches Wesen zugedeckt mit lauter kleinen Karten, auf denen draufsteht wie ich mich verhalte in der Situation und was ich gut und schlecht zu finden habe. Dann kommt der Moment in der Kindheit, in dem das Kind sagt: „Ich bin ich und will es bleiben“. Und da fängt das Problem an. Denn die Welt ist jetzt! Und die Welt kümmert sich überhaupt nicht darum, was ich in meiner Vergangenheit an Erwartung, an Herrn Müller, den ich treffe oder an dieses wunderbare Fußballspiel oder was ich an dem Urlaub habe. Diese Anforderung, diese Erwartung, die haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. In dem Maße ich in einem inneren Gedanken, eine Gefühlswelt lebe und versuche, Anforderung von anderen zu erfüllen, umso schwerer wird das. Das was wir hier sehen, das ist nicht die Welt. Das ist eine Vorstellung von Welt. Das ist aber nicht unsere Welt, unser Zuhause.

Zuhause ist die wunderbare Welt

Zuhause ist die große wunderbare Welt! Das Leben selbst! Hier, sein! Das Leben ist ein unglaubliches Geschenk. Die Grundnatur des Menschen ist Kraft, Freude, Helligkeit, sonst wären wir gar nicht hier. Egal wie dunkel es ist, egal, ob es regnet. Es ist die Sonne, die alles zum Leuchten bringt. Die Sonne, die uns selbst in der Dunkelheit sehen lässt. Gäbe es keine Sonne, gäbe es nur Dunkelheit und so ist es mit dem Leben.

Sicher ist das Leben manchmal sehr schwer. Der Buddha lehrt „Leben ist leidbehaftet“. Aber der Grundzustand von uns, von Sein, ist ein Riesengeschenk. Und dieses ist Zuhause sein. Das ist der Moment. Es ist das Gegenteil von dem, was im Kopf zu sein, in einer Vorstellungen sein ist.

Der Weg der Meditation ist ein Weg raus aus dem Leid, aus den Gedanken

Es ist erst einmal unabhängig, ob ich diesen Weg den Zen-Weg nenne. Zuerst kommt da die Entscheidung. Es ist eine Entscheidung zu sagen: Mir reicht’s! Mir reicht der Wahnsinn im mich herum, das Hamsterrad, in dem ich mich bewege. Mir reicht das immer wieder Leiden, das Erschüttertwerden, der Zweifel, alle diese ganzen Dinge. Oder aber ich spüre eine große Sehnsucht in mir und sage: Was ist das hier eigentlich? Also etwas Positives kann auch zu dieser Entscheidung führen und dann ist es erstmal ein Anhalten. Zen ist nichts weiter als ein Weg, in diesem Wahnsinn anzuhalten. In dieser Beschleunigung, in dem immer Schnellerwerden von Gedanken, von Gefühlen, aber auch von einer Welt, die sich um mich herum dadurch herum auch immer schneller dreht, in diesem Rad anzuhalten und einfach nur zu spüren. Dann kommt die Übung, die ganz individuell sein muss, weil jeder Mensch anders ist, um dieses Anhalten überhaupt zu ermöglichen. In diesem Anhalten entsteht eine Erfahrung von Wirklichkeit, von Selbst, von Zuhause sein.

Ich wurde mit 6 Jahren tief berührt

Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, gab es einen kurzen Moment, in dem mich mich etwas tief berührte. Ich wusste nicht, was das war. Aber es fühlte sich sehr, sehr groß an. Und seitdem hatte ich ein Problem. Weil ich spürte in mir etwas Tiefes, Wunderschönes, Weites. Ich kann sagen: Wie eine offene Seite war es. Gleichzeitig Kindergarten, Eltern, keine leichte Geschichte so als Kind, und immer wieder Herausforderungen, Anforderungen, wo ich instinktiv gefühlt habe, das ist alles Unfug. Und das ist natürlich nicht besonders schlau, als Kind gegenüber allen Eltern und Instanzen zu sagen: Passt auf, was ihr macht ist Quatsch, aber ich habe keine Ahnung was die Alternative ist.

Mich bewegte die Frage: Was ist Leben eigentlich? Was machen wir? Also besteht der Sinn des Lebens darin, eine Aufgabe zu übernehmen, in der ich mich dann in einer gewissen Wohlfahrt befinde oder so weiter. Das war grundsätzlich schwierig für mich, in dieses klassische System einzusteigen. Mein Großvater beschäftigte sich schon mit hinduistischen Traditionen, mein Vater mit Yoga.

In der Bibliothek meines Vaters fand ich irgendwann den Klassiker von Zen-Meister Suzuki: „Die große Befreiung“. Da las ich Sätze , die einen Funken in mir auslösten. Ich war damals 13 Jahre alt.

Das Buch ist eine Einführung in den Zen-Buddhismus. Ein Pionierbuch, in dem Fragen thematisiert werden wie: Was bedeutet Freiheit? Was ist innere Freiheit? Und warum machen sich Menschen seit alter Zeit in Asien auf den Weg, um frei zu werden? Die Freiheit, die wir Europäer kennen, ist eine Freiheit im Außen, die richtig und sehr wichtig ist, das möchte ich an dieser Stelle betonen, auf dieser Freiheit basiert unsere Demokratie.

Aber es gibt auch noch eine andere Freiheit, und die ist in uns.

 

Link zum vollständigen Podcast mit dem Tischgespräch


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