Daishin Zen Schule
20.12.2015

Meister Rinzais Erleuchtung

1. - Die Geschichte

2. - Auslegung

3. - Nachwort

1. - Die Geschichte

Als Rinzai noch neu in der Mönchsgemeinde von Meister Obaku ist, zeichnet er sich durch ein Verhalten von Disziplin, Einfachheit und Direktheit aus. Der Mönchsvorsteher lobte ihn und sagte: Obwohl er ein neuer Mönch ist, unterscheidet er sich doch schon ziemlich von allen anderen. Eines Tages fragte er: Wie lange bist du schon hier?

Rinzai sagte: 3 Jahre.

Hast du denn schon einmal unserem Meister vorgesprochen?

Rinzai: Noch nicht. Ich weiß nicht, was ich ihn fragen soll.

Da sagte der Mönchsvorsteher: Warum gehst du nicht zu unserem Meister und fragst ihn nach dem Kern der Buddha Lehre.

Rinzai tut dies.

Eh er jedoch seine Frage vortragen kann, schlägt ihn der Meister.

Rinzai geht wieder. Als ihn der Mönchsvorsteher fragt, wie die Unterredung gelaufen ist, sagt er: Noch eh ich zu sprechen anfing, schlug mich der Meister.

Der Mönchsvorsteher sagte: Geh einfach hin, versuchs noch einmal.

Rinzai tut dies. Wieder schlägt ihn Obaku. Und dieses geschieht dreimal. Rinzai geht zum Mönchsvorsteher und sagt: Du warst sehr freundlich zu mir, mich zum Meister zu schicken, damit ich ihn fragen konnte. Drei mal fragte ich ihn, dreimal schlug er mich. Ich fürchte, ich bin blockiert durch vergangenes Karma und verstehe nicht die Absicht des Meisters. Für dieses Mal habe ich genug. Ich werde das Kloster verlassen. Da sagte der Mönchsvorsteher: Wenn du gehen möchtest, dann musst du dich vom Meister verabschieden. Das ist bei uns so üblich. Rinzai verspricht es. Sogleich begibt sich aber ganz schnell der Mönchsvorsteher zu Obaku und sagt: Der junge Mönch, der zu dir kam und dich befragte, ist wirklich geeignet für das Dharma. Wenn er kommt, um sich zu verabschieden, gib ihm eine Chance, hier zu bleiben. Rechtzeitig eingepflanzt, sagte der Mönchsvorsteher weiter, wird er zu einem großen Baum werden, der allen Wesen und Menschen Schatten spenden wird.

Als Rinzai kommt, um sich zu verabschieden, sagt Obaku: Du musst nirgendwo anders hingehen, sondern zu Daigu, der in der Nähe wohnt. Er wird es dir erklären.

Rinzai geht zu Daigu und der fragt, woher er kommt. Und er sagt: Von Obaku. Und was hat dir Obaku zu sagen?

Rinzai: Ich fragte ihn dreimal nach dem Kern der Buddha Lehre und dreimal schlug er mich. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe.

Daigu: Obaku hat sich wie eine gute, gütige, alte Großmutter verhalten und dich von allen Sorgen befreit. Nun kommst du auch noch hierher und fragst mich, ob du etwas falsch gemacht hast oder nicht.

Während Daigu so spricht, erfährt Rinzai das große Erwachen. Und sagt: Nach all dem gibt es kein größeres Buddha Dharma als das von Obaku.

Da packt ihn Daigu und sagt: Du kleiner Teufel, du Bettpisser, du kommst hierher und behauptest, nicht zu wissen, ob du einen Fehler gemacht hast oder nicht. Nun erzählst du mir so etwas, dass es für dich nichts Größeres gibt als Obaku? Buddha Dharma? Was hast du erkannt? Sprich. Schnell.

Rinzai gibt ihm, während Daigu ihn noch festhält, dem alten Meister drei Schläge in die Rippe. Daigu lässt ihn los und sagt: Dein Meister ist Obaku. Du hast hier nichts zu tun. Verschwinde.

Rinzai verlässt Daigu und geht zurück zu Obaku. Der bemerkt, als er ihn kommen sieht: Wann wird das kommen und gehen von diesem Kerl endlich aufhören? Kommt und geht, kommt und geht.

Rinzai: Es geschieht nur wegen deiner großmütterlichen Freundlichkeit.

Obaku fragt ihn, woher er gekommen sei.

Rinzai: Am Tag zuvor warst du so freundlich und schicktest mich zu Daigu, damit ich ihn befragen kann.

Obaku: Was hat dir Daigu denn gesagt?

Rinzai erzählte alles, was sich ereignete.

Obaku: Und wie kommt es nun, dass ich mich mit einem Kerl wie dir jetzt hier rumschlagen muss? Ich glaube, ich gebe dir noch einen Schlag.

Rinzai: Was heißt hier warten? Hier hast du es und schlägt wiederum Obaku kräftig.

Obaku: Dieser Verrückte kommt hierher um den Tiger am Bart zu ziehen.

Rinzai stößt ein mächtiges KATS aus.

Obaku ruft: Inji - bring diesen Verrückten in die Mönchsgemeinde. Er soll hier bleiben.

2. - Auslegung

Rinzai ist ein guter Mönch. Drei Jahre ist er erst dabei und erkennt, klar, einfach und direkt ist der Weg. Dennoch ist er ein junger Mönch und wie alle Menschen befangen in seinem Ich, mit großer Sehnsucht nach Freiheit.

Der Kloster-Jikku, der Mönchsvorsteher, ist ein großartiger Dharmafreund - ein Vorbild für uns alle. So wie der Klostervorsteher sollte jeder von euch reagieren, wenn er auf einen anderen Dharmafreund stößt. Voller Güte und Liebe erkennt er, dass dieser junge Mönch kurz davor ist, tiefe Einsicht zu haben. Aber er braucht einen Impuls. Aber er braucht kein Gequatsche. Also sagte er: "Geh mal zu dem alten Meister und frag ihn mal nach der Tiefe und dem Sinn des Buddha Dharma". Das tut er natürlich auch ganz naiv und dann –KATS- Was ist da los?

Obaku in seiner Freundlichkeit - durchschlägt alles. Er tötet Rinzai –SHO!- Der Schlag ist tief und durchtrennt alles. Aber noch sind die Teile zusammen, deshalb versteht Rinzai nicht, was passiert ist. Deshalb geht er zu dem alten Freund seines Lehrers und statt dieser Power öffnet der ein Herz von Güte. Ein Hauch von Kokoro, Güte. Und zeigt ihm was passiert ist. Und auf einmal in dieser Sekunde trennen sich die beiden Teile, die schon durchtrennt sind. Und zwischen beiden –CUT!- Leerheit. Nichts. Tot. Vollkommene Freiheit. - Wunderbar.

Tiefe Erfahrung - gut. Spirituelle Tiefe - gut. Aber wer ein Buddha werden will, stirbt in diesem Leben und wird wiedergeboren als ein Buddha. Wessen Ego aber nicht stirbt, festhält, verstrickt ist, und sei es nur ein Haar, das verbindet, bleibt trotz aller Erfahrung und Tiefe ein Ich - und dieses Ich unterliegt den Gesetzen des Leidens. Nur das Durchtrennen, das vollkommene Nicht-Sein, das vollkommene Nicht-Existieren, Nicht-Buddha, Nicht-Geist, nicht Mensch, nicht Wesen, kein Hören, kein Sehen, kein Fühlen, kein Riechen, kein Schmecken, kein Körper, kein Gefühl, keine Wahrnehmung, keine Willensregung, kein Bewusstsein. –CUT!- Was ist dann? Keine Zeit, kein Raum, kein Ort, –CUT!-

Rohatsu Dai-Sesshin bedeutet nicht Übung mit Erfahrung und Irgendetwas, sondern es ist der Weg der Nichterfahrung. Erfahrung ist Ich. Nichterfahrung ist Ewigkeit.

2. - Nachwort

Wir leben einen Traum mit Tausenden von Wegen, Möglichkeiten, Diskussionen, Verstrickungen. Einen skurrilen Traum, und plötzlich –CUT!- ist der Traum zu Ende. Nur das Wesentliche, nur das Wirkliche, unmittelbar Ewige. Kein Kommen, kein Gehen, kein Sterben, kein Vergehen.

Obaku –CUT!-, –HIT!-, abschneiden.

Versuche mit aller Macht in einen Zustand zu kommen, in dem kein Gedanke mehr aufkommt.

Güte, Liebe, Hingabe, Loslassen. White clouds naturally come and go. Wo ist das Problem?

Weisheit und Herz. Obakus hit, hit, hit – lässt nichts nach außer Weisheit. Was fehlte da noch? Wo sich hier und jetzt offenbart das Nirvana – hier und jetzt ist reines Land und dieser Leib hier ist nichts anderes als Buddha.

Wem nur ein einmaliger Sitz sich vollendet, dem löst sich alles Karma auf, angehäuft in endlosen Leben. (Hakuin Zenji Zazen Wazan).

Wir sind in einem Traum. Wir gehen in die Nacht. Normalerweise gehen wir in die Nacht, um zu schlafen. Von einem Traum in den anderen. Jetzt gehen wir aus einem Traum, fast wie mit einschlafen, HO!.

Die Zendo ist vollkommen leer. Keiner ist mehr hier. Nur der Schneesturm. Keiner ist mehr hier. Nur sitzen. Bodenmatte - sitzen. Wind. Knackende Bohlen. Jeder Augenblick ist Ewigkeit, Ewigkeit ist jeder Augenblick.


31.03.2017
Grundlagen des Rinzai-Zen - Zen-Meister Hinnerk Polenski

30.03.2017
Shiroto - als Laie im Zen-Kloster

01.03.2017
Auszeit im Zen-Kloster

17.02.2017
Energie Tanken im Zen - Zen-Meister Hinnerk Polenski

31.12.2016
Winterpause im Zen-Kloster Buchenberg

30.11.2016
Das Herz heilen

12.10.2016
Rechte Anstrengung - Rechte Achtsamkeit - Rechte Hingabe

01.10.2016
Nachlese: Dancing Buddhas - Das Daishin Zen Sommerfest 2016

01.09.2016
Krankheit und Dharma — Unterstützung oder Widerspruch?

30.08.2016
Führung ist Verantwortung und der Beginn ist die Selbstverantwortung

15.08.2016
Abschied von Ulrike Jiun Wischer

22.06.2016
Neuerscheinung: Die Zen Gebote des Kochens

21.06.2016
Rinpoche Sangngag Tenzin zu Gast im Zen-Kloster

20.06.2016
Kreativität ist die Schöpfung aus dem Potential der Gegenwart

01.06.2016
Wir sind Krieger des Lichts. Wir sind Licht.

31.03.2016
Angst ist nicht die Antwort - Ein Zen-Sesshin im Norden

29.03.2016
Eröffnung einer Zendo in Salzburg

05.02.2016
Rohatsu Sesshin 2016: Wenn das Viele zu Einem wird...

21.12.2015
Reiko Mukai Roshi zu Gast im Daishin Zen Kloster

20.12.2015
Meister Rinzais Erleuchtung

19.12.2015
Weihung der fünf Dhyani-Buddhas im Zen-Kloster Buchenberg

17.09.2015
Der Weg zur rechten Meditation

13.09.2015
Ein Kloster entsteht – der Sommer im Daishin Zen Kloster und Seminarzentrum Buchenberg

10.09.2015
Im Land der Teezeremonie – Japan entdecken - ein Reisebericht

31.05.2015
Der Weg zu unendlicher Freude

25.05.2015
Der Weg des Zen und die Dhyani-Buddhas

21.05.2015
Nepal nach der Katastrophe - Botschaft von Sangngnak Tenzin Rinpoche

20.05.2015
Ein Buddha für jeden Tag - Ein atemberaubendes Museum in Traben-Trarbach

27.03.2015
Klostertor-Einweihung in Buchenberg

25.03.2015
Nachklang vom Dezember-Rohatsu 2014 - und ein neuer Meditationslehrer des Daishin Zen

22.03.2015
Viele neue Zendos des Daishin Zen entstehen - Und Daishin Zen Stuttgart hat ein eigenes Zentrum

20.03.2015
Hinnerk Polenski - Herzweisheit, der Weg im Glück

09.02.2015
Snowy Zazen – Rohatsu im Seminarzentrum Buchenberg

28.11.2014
Samadhi - die Jhana-Stufen

27.11.2014
Eine Vision ist lebendig geworden - die ersten Zen-Seminare im Daishin Zen Seminarzentrum Buchenberg

26.11.2014
Weisheit und großes Herz

12.08.2014
Klosterweihe durch zwei Zen-Meister

03.08.2014
Die Sangha legt Hand an

01.08.2014
Die Angst vor dem Leben besiegen

27.05.2014
Freude ist der Motor | Übung ist Anstrengung auf dem Weg in die Freiheit

28.03.2014
Das Leben ist ein Geschenk

23.03.2014
In der Mitte liegt die Kraft: Mit Zen gelassen bleiben in der Arbeitswelt

28.02.2014
Das Daishin Zen-Kloster und Seminarzentrum Buchenberg/Allgäu - Erste Schritte

28.02.2014
Der Weg zwischen Konzentration und Hingabe

28.02.2014
Der Weg zur "Erleuchtung"

15.12.2013
"Ishin Denshin – von Herz zu Herz"

29.10.2013
Daishin Zen hat ein Zuhause - Zen-Kloster und Seminarzentrum im Allgäu

16.10.2013
Die Kraft der Konzentration und des Loslassens

15.10.2013
Vierstufiges Ausbildungssystem vom Zendo-Leiter zum Zen-Trainer

05.09.2013
Der Weg von Geist in Materie ist Heilung, ist Schöpfung

04.09.2013
NEU: Daishin Zen TV Live- für alle offen

15.07.2013
Samadhi ist eine Dusche, die alles Belastende von euch abspült

14.07.2013
Wer es weiß, der sagt es nicht. Wer es sagt, der weiß es nicht.

29.05.2013
Der Umgang mit unheilsamen Gefühlen

28.05.2013
Mit der Natur im Reinen

12.04.2013
Erwacht durch einen einzigen Regentropfen

11.04.2013
Zen mit Freude und Leichtigkeit

09.04.2013
Hinnerk Syobu Polenskis Reise in die Heimat des Medizin-Buddha

12.03.2013
Thich Nhat Hanh, Willigis Jäger und Hinnerk Syobu Polenski: Ein Buddha ist nicht genug

11.03.2013
Der Weg, der mich nach Hause führt - Erfahrungsbericht eines Zen-Schülers

10.03.2013
Demut ist der Schlüssel zu Freiheit und Glück

02.02.2013
Wir glauben an die Freiheit jedes Menschen

01.02.2013
Begegnung mit mir selbst - Erfahrungsbericht eines Zen-Schülers

01.02.2013
Jeder Moment ist Ewigkeit, und Ewigkeit ist jeder Moment - Ein Artikel in der ZEIT: Lebenskunst - jetzt oder nie

02.01.2013
Jeder Augenblick ist ein Universum

21.12.2012
Zen, der Weg des Heilens - Teil 2: Heilung und Heiligkeit in mir

20.12.2012
Und irgendwann passiert das Wunderbare: das Leben unterstützt uns, weil wir das Leben selber sind

30.11.2012
Zen, der Weg des Heilens - Teil 1: Entwickle das Heilsame in dir

29.11.2012
Und plötzlich „sah“ ich die Blüte zum ersten Mal

30.10.2012
Der direkte Weg zu Freiheit, Kraft und Stille -

29.10.2012
Ich denke, also bin ich (unglücklich )

27.09.2012
Ein Ort des Friedens und der Freude - Warum Daishin Zen jetzt ein Zuhause braucht

26.09.2012
Meine Vision - ein Kloster nach japanischem Vorbild

25.09.2012
Konflikte anders erleben und lösen -
Mit Zen zu einem neuen Verständnis für meine Familie

25.08.2012
Von Abhängigkeit zur Freiheit -
aus der Freiheit entstehen Liebe und Erfüllung

24.08.2012
Warum denken wir unaufhörlich ?

15.07.2012
Hier und jetzt - in Freiheit leben

14.07.2012
„Atem geschehen lassen, voll zulassen“ - Zen und Yoga

15.06.2012
Bilder vom Sommersesshin Mai 2012 - Osterberg-Institut

05.06.2012
Hallo Widersacher, da bist du ja. Ich kenne Dich.

05.06.2012
Leadership plus Zen gleich Ethik

04.06.2012
Von der Form in die Freiheit

03.06.2012
zum Nach-Hören: Hinnerk Polenski im WDR5-Tischgespräch

19.03.2012
Wir brauchen den Lehrer im Außen, um unseren inneren Führer zu finden

15.02.2012
Im Zen legen wir unsere Masken ab

06.02.2012
„Hör auf zu denken, sei einfach glücklich“

05.02.2012
Hinnerk Polenski zu Gast bei Bärbel Schäfer auf hr3

01.02.2012
Zen-Reise mit dem MeridianSpa

22.01.2012
Rohatsu, eine Etappe auf dem Weg zur Bergspitze

21.12.2011
Fragen an den Zen-Meister

31.10.2011
Kloster-Klause Kükelühn eröffnet

22.07.2011
Hinnerk Polenski zu Gast im NDR bei Tietjen und Hirschhausen

23.05.2011
Ein Kurz-Sesshin in München - Zen und Grüner Tee

15.05.2011
Daishin Zen im Japanischen Tee-Pavillon in Hamburg

28.03.2011
Erfolgreiches erstes Zen Seminar für Ärzte

15.03.2011
Erdbeben, Tsunami und Atom-Unfall in Japan

31.01.2011
Rohatsu 2011 - Der Weg des Daishin Zen

08.11.2010
Vortrag von Hinnerk Syobu Polenski: Kraft und Energie - Zen und die Frage "Gibt es in uns selbst eine Kraft, die nicht bedingt ist?"

30.10.2010
Stern Gesund Leben: Beim Zen-Seminar die Mitte gefunden

29.09.2010
Neuerscheinung: Die Linie im Chaos - Zen, Ethik, Leadership

30.08.0016
Führung ist Verantwortung und der Beginn ist die Selbstverantwortung