Daishin Zen Schule
12.03.2013

Thich Nhat Hanh, Willigis Jäger und Hinnerk Syobu Polenski: Ein Buddha ist nicht genug

Zen ist für die drei Meister der Weg, der in die Zukunft führt

„Ein Buddha ist nicht genug. Wir brauchen viele Menschen. Wir brauchen die Gemeinschaft, die Sangha. Wenn wir in einer solchen Gemeinschaft leben, wissen wir, dass Achtsamkeit, Frieden, Freude und Freiheit eines jeden Sangha-Mitglieds sehr stark mit unserer Achtsamkeit, unserem Frieden, unserer Freude und Freiheit, unserem Wohlbefinden verbunden ist“, schreibt der weltweit anerkannte, vietnamesische Zen-Meister und Mönch Thich Nhah Hanh in dem neuen Buch von Ulrike Wischer „Das stille Glück zu Hause zu sein. Mit Zen das Leben im Alltag finden“ (Herder-Verlag). Auch der bekannte deutsche Zen-Meister Willigis Jäger fordert darin, „dass die Menschheit endlich aus ihrem „Egotunnel" heraus kommt, in dem sie sich immer noch umbringt, wie das seit Kain und Abel der Fall ist.“ Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski sieht den Frieden und die Zukunft auf der Erde und in der Welt ebenfalls in einem neuen offenen Geist: „Es klingt fast seltsam, aber ich wünsche uns im 21. Jahrhundert Friede im Herzen...Denn nur, wenn wir diesen Frieden aufrecht erhalten, haben wir die Möglichkeit, dass viele junge Menschen, egal wo auf dieser Welt, von diesem neuen, offenen Geist profitieren können.“

Für alle drei Meister ist Zen der Weg, der in die Zukunft führt. Willigis Jäger, Thich Nhat Hanh und Hinnerk Polenski sehen die Zukunft für unsere Erde nur gesichert, wenn sich die Energien von Unruhe, Unzufriedenheit und Leid in heilsame Energie umwandelt. „Eine Energie, die Lebenskraft der Weisheit ist und dem Herzen folgt“, so Polenski in dem Buch, in dem mehr als 25 Schüler der drei Meister authentisch und anschaulich „ihren“ Zen-Weg beschreiben und offen über ihre Erfahrungen und die Veränderungen in ihrem Inneren berichten.

Achtsamkeitspraxis und Konzentration helfen, Spannungen loszulassen

Für den Mönch Thich Nhat Hanh, dessen deutsche Zentrale in Waldbröl bei Köln ist, steht fest: „Es ist für uns sehr wichtig, die Praxis der Achtsamkeit und Konzentration zu erlernen. Einige verstehen vielleicht anfangs noch nicht viel, aber ihre guten Samen werden trotzdem gewässert. Es ist kein buddhistisches Studium, sondern es ist die Achtsamkeitspraxis, die uns alle befähigt, unsere Spannungen, unser Leiden wahrzunehmen und loszulassen. Wir brauchen auf diesem Weg aber Menschen, die uns helfen, besonders wenn wir unseren Schmerz, unser Leiden umarmen. Menschen, die uns so lange stützen, bis wir alleine stehen können. Später helfen wir dann anderen und unterstützen sie.

Wenn wir die Energie der liebenden Güte und des Mitgefühls in unserem eigenen Herzen erzeugen können, heilt diese Energie unseren Geist und Körper. Erst dann kann unsere Energie auch den Geist und Körper der Menschen in unserer Nähe heilen. Dann erst profitieren wir alle davon. Leben ist ein Wunder, ist Freude. Leben ist in jedem Moment. Intersein ist Leben.“

Zen-Meister Willigis Jäger, der im Benediktushof Holzkirchen bei Würzburg, lebt und lehrt, schreibt, dass der Weg dahin einerseits sehr einfach ist, andererseits aber auch sehr schwer: „Es gibt eine ganz simple Übung. So simpel, dass man gar nicht glaubt, dass sie wirkt: Ich werde eins mit diesem einen Atemzug. Nicht mehr „Ich atme", sondern nur noch Atem. Es führt mich aus der Egozentrik heraus, die mich so festhält. Dieser eine Übung kann reichen für die gesamte Praxis.

Im Erwachen erlebt der Mensch Einheit, Verbundenheit und Liebe

In dem Moment, wo der Mensch wirklich durchbricht und aus der Egoumklammerung heraustritt, erlebt er Einheit, Verbundenheit und Liebe. Die Beziehungen zu den Mitmenschen wird eine andere, selbst zu den Menschen, die sie gar nicht mögen; und mit denen sie Probleme und Schwierigkeiten haben.

Die mystische spirituelle Praxis, die in einen transkonfessionellen Bewusstseinsraum führt, verändert den Menschen grundlegend. Weisheit, Selbstlosigkeit, Sammlung und moralisches Verhalten wachsen und öffnen das Bewusstsein über das personale Begreifen hinaus. Sie schenkt eine klare Sinndeutung des Lebens und öffnet ein umfassendes Verstehen des Todes. Auch wenn es schwer erscheint, einen solchen Bewusstseinsstand zu erreichen, schenkt doch schon die Erkenntnis, dass unsere Spezies auf dem Weg dorthin ist, die Kraft und Hilfe, aus der fatalen Misere unserer Egozentrik herauszukommen. Schon die Praxis des Weges wird die Qualität unseres Menschseins verändern und eine bessere Zukunft schenken. Aus dieser Erfahrung der Einheit allen Seins rief der Sufimystiker Halladsch aus: „Ich bin der, den ich liebe, und der, den ich liebe, ist ich!''

Wir Menschen müssen begreifen, dass wir miteinander in Liebe leben können

Eine tiefe mystische Erfahrung führt aus der Versenkung zurück in die Welt und in die Weltverantwortung. Sie führt in die Aktion, ins Handeln und zum Mitmenschen und ist Grundlage einer Ethik der Liebe, die im anderen Menschen sich selbst erkennt. Wir brauchen diese mystische Erfahrung, um die Erde und die Menschen heil in die Zukunft zu bringen. Allerdings hat die Kreativität des Universums auch dunkle Seiten, wie das Massenaussterben, das Böse, die Zerstörungen durch Asteroiden. Aber letztlich sind die immer wieder aufbrechenden, gestaltenden Energien stärker.“

Offene Gesellschaft und offene Spiritualität müssen zusammen kommen

Der Kieler Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski beschreibt die zukünftige Arbeit und Aufgabe so: „Wir müssen, ihr müsst das Erfahrene in die Welt tragen, damit immer mehr „erfahren“. Wir brauchen drei Dinge:
  1. eine offene Gesellschaft.
  2. eine offene Spiritualität
  3. und Menschen, die diese Herausforderung aufnehmen, die offene Gesellschaft und die offene Spiritualität zusammenzuführen.
Dieser Wunsch nach offener Spiritualität ist nicht neu. Es hat diese Idee schon immer gegeben. Wenige einzelne Meister im Westen wie Meister Eckehart und Jacob Böhme z.B. stellten sich die Welt auch so vor. Darüber hinaus ist diese Vision ist schon sehr lange Bestandteil der Kultur im Osten. Dort waren es sehr viel mehr, die offene Weite, freie Spiritualität vorlebten. Spiritualität ist dort ein respektierter Weg innerhalb der Gesellschaft. Aber trotzdem waren sie eine Minderheit. Aber aus einer Minderheit - oder wie heute bei uns - aus vielen Einzelnen kann ein Weg für uns als Menschheit werden.

So ist unsere Zeit, wenn wir sie denn nutzen, vielleicht der Beginn eines neuen und die Erfüllung eines alten Weges: die Verbindung von allen zugänglichen offenen Spiritualität und der offenen Gesellschaft, in Form von zunehmenden Bildungschancen, besser von zunehmenden Weisheitschancen und sich öffnenden Potentialen, für immer mehr Menschen.

Niemals standen für so vielen Menschen in unserem Land dieser Weg offen. Niemals zuvor gab es so ein heilsames Potential zum Nutzen des Einzelne und zum Nutzen der Menschen in unserem Land, in unserer Welt. Der Weg kann nur der Weg unseres Herzens sein, der Weg unseres erwachten und erwachenden Bewusstseins.“

 

Aus: „Das stille Glück zu Hause zu sein. Mit Zen das Leben im Alltag finden“, Ulrike Wischer, Herder-Verlag 2013

 

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